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Magie und Faszination des Stilllebens

Der Schwerpunkt in all meinen Arbeiten ist das Thema des Sammelns, Bewahrens, Ausstellens und entsprechenden Präsentationsformen.

In der aktuellen Fotoarbeit inspiriert mich das Stillleben der flämischen und niederländischen Malerei der Renaissance und des Barock. Meine, auf den ersten Blick, traditionell wirkenden Bilder offenbaren die mehrfachen medialen Brechungen und Reflexionen erst bei näherer Betrachtung.

Drei gleichwertig bedeutsame Bildebenen werden zu einer bildnerischen Gesamtkomposition gefügt. Diese besteht aus einem fotografierten Stillleben-Motiv, dem fotografisch reproduzierten Rahmen und dem umlaufenden weißen Bildrand. Hierbei lege ich besonderen Wert auf die gestalterischen und kompositorischen Elemente. Der Ausgangspunkt für die neue Arbeit ist meine Sammelleidenschaft von alten und schönen Dingen. Ich sammle weder im herkömmlichen Sinne wertvolle, oder antike Objekte. Vielmehr reizen mich Alltagsgegenstände, an denen Benutzungsspuren sichtbar sind. Dazu gehören auch Bilderrahmen, unter anderem mit Abplatzungen und anderen Verletzungen. Für mich werden sie durch diese "Schäden" wertvoller, vielleicht weil sie wegen ihrer „Makel“ Gefahr laufen, weggeworfen zu werden.

Stillleben waren zu allen Zeiten begehrte Sammel- und Luxusobjekte. Sie sind seit dem 17.Jahrhundert Luxusobjekte. Spätestens im goldenen Zeitalter der niederländischen Kunst beginnt sich im Stillleben auch die wirtschaftliche Lebenswelt und Realität sowohl der Maler als auch der Sammler und Auftraggeber zu spiegeln. Dieselben Kaufherren und Investoren, die vor allem in den Niederlanden den Aufstieg ihres Landes zur Welthandelsmacht betrieben und die exotischen Waren aus aller Herren Länder und Europa importierten, bestellten auch Stillleben für die Ausschmückung ihrer Stadtpalais und Landhäuser, in den die Quelle ihres Reichtums wie etwa exotische Gewürze, venezianisches Glas oder chinesisches Porzellan abgebildet waren. Anliegen der Maler war es, unter anderem, die Objekte der Natur und des täglichen Lebens in ihrer Schönheit zu erfassen und darzustellen. Außerdem wird das typisch barocke Lebensgefühl der Vergänglichkeit aller irdischer Pracht als Botschaft vermittelt.

Die von mir inszenierten Stillleben erinnern an jene  barocken Prunkstillleben, ohne sie nach einem Vorbild nachzustellen. Ich verwende überwiegend historische Gebrauchsgegenstände für meine Arrangements. Nicht nur das Medium der digitalen Farbfotografie macht sofort sichtbar, daß es sich um ein zeitgenössisches Kunstwerk handelt, sondern auch die Objekte auf dem Bild ermöglichen bei genauer Betrachtung, eine zeitliche Einordnung. So sind zum Beispiel in den Ohren des Widderkopfes die Erkennungsmarken aus Kunststoff sichtbar.

Die Stillleben entstehen an verschiedenen Orten, da die Hintergründe zu jedem Bild neu gefunden werden müssen. Licht und Kamerawinkel sind ebenfalls bei jedem Bild unterschiedlich. Bei den gemalten Stillleben wiederholten die Künstler oft Motive, die ihnen aus den unterschiedlichen Gründen attraktiv erschienen. Dadurch entsteht bei einigen Bildern der Eindruck, daß die herausgelösten Bildelemente nicht richtig zu liegen scheinen. Auf vielen Bildern erscheint eine Überfülle, die wir als Barock interpretieren. Ich verwende für meine Fotografien eher eine reduzierte Bildsprache. Meine Bildinszenierungen haben tatsächlich so stattgefunden, wie sie auf dem Bild zu sehen sind.

Die zweite Bildebene ist der Bildrahmen, den ich für die fotografierten Bilder suche. Der Bilderrahmen bestimmt maßgeblich die Wirkung eines Bildes. Das wurde mir bei Bildbetrachtungen im Ausstellungskontext bewußt. Ein Gemälde im Rahmen wirkt ganz anders als die Reproduktion ohne Rahmen im Katalog oder auch einer Postkarte. Dabei sind für mich die Größe des Rahmens, die Stärke der Leiste, das Profil, die Farbe (Gold - Schwarz oder Silber) von Bedeutung. Erst wenn der richtige Rahmen für das jeweilige Bild gefunden ist, lege ich den endgültigen Bildausschnitt fest. Das fotografierte Stillleben wird in den fotografierten Bilderrahmen am Computer eingesetzt. Die Größe des endgültigen Bildes ergibt sich zwingend aus dem verwendeten Rahmen, die immer im Verhältnis 1:1 abgebildet werden.

Das dritte Element ist der weiße Rand um den fotografierten Bilderrahmen. Er erzeugt eine gesteigerte Präsenz des farbigen Bildmotivs und der Eindruck einer bloßen Reproduktion bzw. einer nicht beabsichtigten Augentäuschung wird vermieden.

 

 

 

 

Ausstellung in der Baumwollspinnerei Leipzig, Pilotenküche 10.09. - 26.09.2010 

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